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Die guten "Müllmänner" aus Hilpoltstein

Im fränkischen Hilpoltstein gründen Britta und Ingo Wegner die Geld für Müll GmbH und reduzieren dank recycelter Drucker- und Tonerpatronen den Müllberg

"Nun seid Ihr an der Reihe", sagt die Erzieherin des St. Jakob-Kindergartens im fränkischen Hilpoltstein und lächelt die Zwillinge Miriam und Gabriel erwartungsvoll an. "Welchen Beruf haben Eure Eltern?" - Die beiden Sechsjährigen grinsen. "Die Mama und der Papa, die sind Müllmänner", schießt es aus Miriam raus. Und Gabriel fügt hinzu: "Die machen aus Müll anderer Leute Geld". - "Na ob das stimmt?", erwidert die Erzieherin und die übrigen Kinder rufen lautstark: "Das geht doch gar nicht". Ganz unrecht haben die Zwillinge Miriam und Gabriel indes nicht.

Mit 22 Jahren gründet Ingo Wegner 1998 gemeinsam mit seiner Frau Britta das Unternehmen Datatrans. Das Unternehmen konzentriert sich auf den Handel mit leeren Patronen und Kartuschen aus Druckern, Kopierern und Faxgeräten. Weil die Originalhersteller den Nachbau von Druckermodulen mittels restriktiver Patentregelungen verhindern, sind Anbieter alternativer, preisgünstiger Patronen, wie Pelikan oder GeHa, auf intakte Leermodule angewiesen. Die Wegners erkennen diesen Markt frühzeitig und bauen das Unternehmen vom kleinen Garagenbetrieb zu einem der größten Recyclingdienstleister für Tintenpatronen und Tonerkartuschen in Deutschland aus. 2003 benennt das Unternehmerpaar die florierende Firma in "Geld für Müll", kurz GfM, um. Seither beliefern die Unternehmensgründer alternative Patronenproduzenten, ähnlich dem Flaschenpfand-System, mit dem bundesweit aufgekauften Leergut. Nach Angaben des Fachmagazins Computerbild sparen Verbraucher mit Hilfe solcher alternativer Patronen und Kartuschen bis zu 96 Prozent gegenüber Originalmodulen.

Für verbrauchte, intakte Druckermodule erhalten GfM-Kunden bis zu 20 Euro

Heute beschäftigt die Geld für Müll GmbH in Hilpoltstein 15 Mitarbeiter und kauft von mehr als 30.000 Leergutlieferanten verbrauchte Druckerpatronen und Tonerkartuschen auf. Von der Privatperson bis zum international tätigen Konzern reicht dabei die Bandbreite der GfM-Kundschaft. Für die leeren Patronen und Kartuschen erhalten die Lieferanten im Gegenzug eine Leergutprämie. Bis zu 20 Euro zahlen die Wegners ihren Kunden für einzelne Druckermodule. Monatlich fließen so rund 140.000 Euro von der Geld für Müll GmbH an die teilnehmenden Verbraucher. Neben den Kunden profitiert aber auch die Umwelt: "Derzeit verwerten wir rund 90 Prozent der verbrauchten Kartuschen- und 100 Prozent der Tintenpatronenbestandteile", sagt Ingo Wegner. Auf diese Weise vermeidet das Hilpoltsteiner Unternehmen jeden Monat durchschnittlich 41 Tonnen Abfälle. "Die Bezeichnung Müllmänner", findet Britta Wegner, "trifft es daher nicht ganz". Vielmehr sehen sich die Familienunternehmer aufgrund des Handels mit wertvollen, wieder verwertbaren Rohstoffen als "Müllvermeider".

Nachts entstehen in Hilpoltstein Geräteskizzen und Geschäftsideen

Der 33-Jährige Wegner kennt sich aus in der Welt der Tinte und Toner. So baut der Geschäftsmann die teilweise komplexen Patronen und Kartuschen samt Datenchip anfangs auseinander und entwickelt anschließend patentreife Säuberungs- und Befüllstationen. Auf Grundlage der Skizzen und Zeichnungen aus Hilpoltstein setzen Maschinenbauer Wegners Ideen anschließend in die Praxis um. Wegner nennt diese Anlagen gerne sein Betriebsgeheimnis. "Seit jeher gehe ich den Dingen, die ich nicht vollends verstehe, auf den Grund", meint Wegner. Die besten Einfälle, von der Patronenreinigung bis zum Geschäftskonzept, kommen Wegner dabei nachts. Gerade die strategische Anpassung des Unternehmens an Marktumfeld und Kundenwünsche bereitet dem engagierten Kaufmann große Freude. "Wir müssen natürlich mit dem technischen Fortschritt auf dem Druckermarkt standhalten", sagt Wegner. Mit der Entwicklung immer neuer Druckergeräte verändern sich so auch die benötigten Druckermodule, die in Hilpoltstein gereinigt, geprüft und wiederbefüllt werden.

Aber auch im Privaten gilt Wegner als zielstrebiger, akribischer Macher. So entstanden selbst Gebäudegrundriss und Innenarchitektur für das spätere Einfamilienhaus der Wegners in Hilpoltstein auf dem Schreibtisch des zweifachen Familienvaters. Seine Mitarbeiter beschreiben den Unternehmer dementsprechend als gründlich, beharrlich und rational. Auf die Frage, wonach der 33-Jährige denn langfristig strebe, sagt Wegner: "Auch wenn es ambitioniert klingt, möchte ich im Rahmen meiner Möglichkeiten zu einer besseren Welt beitragen". Wegner weiter: "Es wäre bereits viel getan, wenn die Menschen ihr tägliches Handeln hinterfragten". Durchaus stolz ist der gebürtige Nürnberger daher auf den aktiven Beitrag, den das eigene Unternehmen zur Reduzierung des Müllbergs aus verbrauchten Patronen und Kartuschen leiste. Zeichnet sich Ingo Wegner vor allem für die strategische Weiterentwicklung des Betriebs zuständig, betreut Ehefrau Britta die heute über 30.000 Leergutlieferanten. "Wir ergänzen uns in der Firma sehr gut", sagt die Jungunternehmerin. "Große Freude bereitet mir dabei die Zusammenarbeit mit unseren Kunden". Seitdem die erste Sammelbox mit verbrauchten Patronen und Kartuschen in Hilpoltstein einging, fungiert die gelernte Zahnarzthelferin als Schnittstelle zwischen Unternehmen, Kunden und Servicepartnern. Dabei erlebt Britta Wegner mitunter kuriose Leergutlieferungen: "Anstelle der verbrauchten Patronen und Kartuschen haben wir bereits irrtümlich Boxen mit neuen Notebooks darin, mit wertvollem Schmuck oder Klobrillen erhalten", so Wegner weiter.

GfM-Kunden spenden Leergut zugunsten des Ronald McDonald Familienhauses

Über die Auftragsabwicklung hinaus engagiert sich die Geschäftsführerin seit Unternehmensgründung in der fränkischen Heimatregion. Auf Initiative der 31-Jährigen ruft Geld für Müll die 30.000 Patronen- und Kartuschenlieferanten auf, mit Hilfe einer Leergutspende das Ronald McDonald Haus in Erlangen zu unterstützen. In der gemeinnützigen Einrichtung finden Familien schwer kranker Kinder im direkten Umfeld des Erlanger Universitätsklinikums ein Zuhause auf Zeit. Eltern, Geschwister und Angehörige können während einer Behandlung nah bei ihren Kindern sein und sie im Krankheitsfall ohne großen Aufwand begleiten. "Auf Anhieb meldeten sich zahlreiche Leergutlieferanten, von der Einzelperson bis zum Unternehmen und spendeten ihre leeren Patronen und Kartuschen für die gute Sache", berichtet Britta Wegner. Alleine im vergangenen Jahr kamen so über 14.000 Euro für die McDonalds Kinderhilfe Stiftung in Erlangen zusammen. Überdies unterstützt das Unternehmen den in Hilpoltstein ansässigen Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV).

Doch ruhen sich der Film- und Kinofreund und die Tierliebhaberin auf dem Erreichten nicht aus. Neben dem Tagesgeschäft bildet sich Ingo Wegner in der Industrie- und Handelskammer Mittelfranken zum Wirtschaftsfachwirt weiter. Seine Ziele hat der ehrgeizige Hilpoltsteiner stets vor Augen. In ihrer freien Zeit spielen währenddessen die Zwillinge Gabriel und Miriam die Hauptrolle. Darüber hinaus halten drei Hunde und drei Katzen die Familienunternehmer auf Trab. "In erster Linie möchten wir in unserer Freizeit und unserem Beruf, wie sicher alle Eltern, unseren Kindern ein gutes Vorbild sein", so Britta Wegner. Aus diesem Grund seien die Unternehmer für ihre Kinder auch gerne die "guten Müllmänner", die aus dem Abfall anderer Leute Geld machen", schmunzeln Britta und Ingo Wegner.

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